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Die Wirtschaft hat gewählt

Die Wirtschaft hat gewählt

Zwischen 24. und 26. Februar konnten die steirischen Unternehmer die Zusammensetzung ihrer 78 Fachgremien in der Wirtschaftskammer Steiermark (WKO) wählen.

Über 66.000 steirische Unternehmer mit mehr als 86.000 Wahlrechten waren im Februar aufgerufen, ihre Vertreter in der Wirtschaftskammer zu wählen. Die Diskrepanz zwischen Unternehmern und Wahlrechten ist dabei leicht erklärt: Manche Unternehmer sind, weil sie mehrere Gewerbe angemeldet haben, in mehreren Gremien wahlberechtigt.
Gewonnen hat, wie nicht anders zu erwarten war, der Wirtschaftsbund. Mit 68,5% verteidigt er seine Vorherrschaft in der WKO Steiermark. Auf Platz zwei folgt der Ring freiheitlicher Wirtschaftstreibender mit zwölf Prozent vor dem Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband mit 9,5%. „Sonstige Listen“ – darin sind auch die erstmals angetretenen „Unos“ enthalten – erzielten 1,5%. An Mandaten entfielen damit 740 auf den Wirtschaftsbund, 100 auf den Ring freiheitlicher Wirtschaftstreibender, 91 auf den Sozialdemokratischen Wirtschaftsverband und 91 auf die Grünen. 65 Mandate gingen an die Industrie, elf an Sonstige. Die Wahlbeteiligung ging leicht von 49% auf 46,9% zurück.

Wir haben Wahlgewinner Josef Herk gefragt, wie er die Wahl sieht und was er in der Zukunft so vorhat.

Herr Präsident, nicht ganz 50 Prozent, genau waren es 46,9 %, der Unternehmer gingen zur Wahl. Sind Sie damit zufrieden?

Herk: Eigentlich schon, denn wir haben uns die Latte sehr hoch gesetzt. Ich sehe das sportlich: Es ist nicht die Goldmedaille geworden, sondern die Silbermedaille. Aber auch über die freue ich mich. Schließlich liegen wir mit diesem Ergebnis zehn Prozentpunkte über dem Bundesschnitt und belegen im Ranking der mit der Steiermark vergleichbaren Bundesländer, also Oberösterreich und Niederösterreich, ganz klar Platz eins. Und wenn man sich dann auch noch die absoluten Wählerstimmen vor Augen hält, sieht man, dass wir ja auch eine Steigerung erreicht haben: 40.000 Stimmen wurden bei dieser Wahl abgegeben, das sind um 4.000 mehr als noch vor fünf Jahren. So gesehen glänzt diese Silbermedaille für mich wie eine Goldene.

Der Wirtschaftsbund hat 68,5 Prozent erreicht. Ein immens hoher Zuspruch, dennoch war es weniger als vor fünf Jahren.

Herk: Es gibt nichts zu beschönigen: Wir haben ein paar Prozentpunkte verloren, weil sich die politischen Rahmenbedingungen geändert haben. Trotzdem haben wir einen ganz klaren Auftrag erhalten. Mehr als zwei von drei haben für den Wirtschaftsbund gestimmt. Wir stellen alle Obleute in den Sparten und Fachgruppen. Damit haben wir den Nationencup wieder gewonnen, wenngleich nicht in dem Ausmaß wie beim letzten Rennen. Trotzdem ist ein Ergebnis jenseits der Zwei-Drittel-Marke etwas Großartiges und heute bei weitem nicht selbstverständlich. Für diesen Zuspruch kann ich mich nur bei allen Unternehmern bedanken. Das ist großartig.

Wie geht es jetzt weiter?

Herk: Wir laden alle Fraktionen ein, die Wirtschaft und die Politik der Wirtschaftskammer aktiv mitzugestalten. Ich möchte, dass sich die WKO ständig weiterentwickelt und immer besser wird. Um das zu erreichen, müssen wir über unsere Strukturen nachdenken. Das betrifft das Haus WKO genauso wie den Standort. In beiden Fällen braucht es einen offenen Diskussions- und Evaluierungsprozess. Als Interessenvertretung der Wirtschaft werden wir da auf jeden Fall einen noch schärferen Kurs einschlagen.

Gibt es auch inhaltlich eine Neuausrichtung?

Herk: Unsere Eckpfeiler werden die Regionalentwicklung, Jugendbeschäftigung und natürlich der volle Einsatz für das Unternehmertum sein. Den braucht es nämlich, wenn ich mir ansehe, was wir bei den Betriebsbesuchen als Anregungen mitbekommen haben. Vor allem gilt es, die Belastungen zu beseitigen. Das sage ich nicht nur als selbst betroffener Unternehmer und Interessenvertreter, sondern auch in Hinblick auf die hohen Arbeitslosenzahlen. Mehr als 54.000 Steirer sind derzeit ohne Arbeit. Eine Zahl, die uns allen zu denken geben sollte. Der Verlust von Arbeit ist für viele Menschen auch ein Verlust von Würde und Wertschätzung. Welche Folgen damit verbunden sind, darüber brauchen wir wohl nicht lange zu diskutieren. Wenn es den Menschen gut gehen soll, brauchen sie Arbeit, und dazu braucht man Arbeitgeber.

Wo gehört hier angesetzt?

Herk: Wir müssen uns dieser Realität stellen und dürfen uns nicht länger daran vorbeischummeln. Wer heute glaubt, dass der Wohlstand in diesem Land etwas Gottgegebenes ist, der wird vielleicht schon morgen merken, dass auch der soziale Friede nichts Gottgegebenes ist. Wir können uns hier kein parteipolitisches Hickhack leisten. Es ist Zeit, dass etwas umgesetzt wird. Dafür stehen wir als WKO gerne als Partner zur Verfügung. Denn nur wenn die Wirtschaft wieder Vertrauen gewinnt, werden die Investitionen steigen und damit letztendlich auch die Arbeitsplätze.

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