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Josef Herks Wahlkampf-Gegner:

Josef Herks  Wahlkampf-Gegner:

Raunzer, Windmühlen und
dicke Bretter

Herr Präsident, der Wahlkampf war sicher eine stressige Zeit für Sie.
Wie erlebten Sie ihn bisher?

Herk: Es stimmt, der Wahlkampf ist eine zeitintensive Sache. Ganz so neu ist es für mich aber nicht, Unternehmer zu besuchen, das mache ich ja schon, seitdem ich mich für die Wirtschaft engagiere. Als Präsident bin ich oft und gerne bei Betrieben zu Gast, auch wenn nicht gerade Wahlkampf ist. Dabei höre ich mir die Sorgen der Unternehmer an und erfahre so von allen Branchen aus erster Hand, wo der Schuh drückt. Jetzt ist es vielleicht ein bisschen intensiver als normal, aber das ist durchaus verkraftbar. Wer so eine Aufgabe übernimmt, muss wissen, was und welcher zeitliche Aufwand dahinterstecken. Es gibt ein altes Sprichwort: Abends wird der Faule fleißig. Ich glaube, ich war auch schon untertags sehr fleißig, denn viele Leute kennen mich und kommen auf mich zu. Die Menschen registrieren sehr genau, wer sich ehrlich engagiert und wer nur eine kurze Zeit wahlkämpft und sich dann viereinhalb Jahre davon ausruht.

Was hat Sie im Wahlkampf berührt, gab es auch negative Erlebnisse?

Herk: Der allergrößte Teil der Kontakte war sehr positiv. Manche davon sind sogar richtig berührend. Etwa wenn sich Menschen dafür bedanken, dass man sich für sie engagiert, und mir sagen: „Ich glaube Ihnen. Sie setzen sich für die Jugend und die Wirtschaft ein.“ Das gibt enorm Kraft. Natürlich gibt es auch negative Erlebnisse, aber Gott sei Dank nur sehr wenige. Da werde ich dann für Dinge verantwortlich gemacht, auf die ich, die Wirtschaftskammer, manchmal sogar Österreich keinen Einfluss haben. Aber auch damit muss man leben. Das gehört zum politischen Geschäft dazu.

Wie sind Sie dazu gekommen, sich für andere zu engagieren?

Herk: Ich glaube, das ist eine Erziehungssache. Mein Vater hat sich schon für die lokale Wirtschaft engagiert und mir geraten: „Jammer nicht, tu etwas und gestalte mit.“ Das habe ich mir sehr zu Herzen genommen. Ich war nie einer, der gemotschgert hat, sondern wollte und will mithelfen, etwas zum Besseren zu verändern. Allerdings hat mich meine Mutter gewarnt, dass das Engagement des Vaters sehr zeitintensiv ist. Nachdem ich mich aber nicht nur lokal engagiere, sondern gleich für die ganze Steiermark, hat sich das zeitliche Engagement im Vergleich zu ihm natürlich potenziert. Ich mache das aber sehr gerne, daher beklage ich mich auch nicht darüber.

Es heißt, Politik ist das Bohren dicker Bretter. Teilen Sie diese Einschätzung?

Herk: Ja und nein. Bei manchen Sachen hat man den Eindruck, dass man gegen Windmühlen ankämpft. Etwa beim Bürokratieabbau. Ich werde jeden Tag mit unglaublichen Auswüchsen unserer Bürokratie konfrontiert. Jeder, wirklich jeder Unternehmer erzählt mir von unglaublichen Auswüchsen des Amtsschimmels, die er selbst erlebt hat. Für minimale Fehler in der Buchhaltung setzt es zum Beispiel unglaubliche Strafen, Vorschriften widersprechen sich gegenseitig, jede Menge Beauftragte für alle möglichen Dinge müssen vorhanden sein und vieles mehr. Das ist ein ganz dickes Brett. Aber auch dicke Bretter kann man so lange abhobeln, bis sie dünn werden. Der Wirtschaftsbund und ich werden sicher nicht müde, auf diese Auswüchse hinzuweisen, so lange, bis sie beseitigt sind.

Im Wahlkampf werben Sie mit einer prominenten Frau: Eva.

Herk: Ja, EVA steht für: Entlasten, Vereinfachen und Ankurbeln. Das ist unsere Kernforderung im diesjährigen Wahlkampf. Die drei Bereiche sind uns nicht neu. Seit Jahren will der Wirtschaftsbund die Wirtschaft und den Staat zukunftsfit machen. Österreich hat im Laufe der Jahrzehnte ganz schön Fett angesetzt. Aber leider im negativen Sinn. Wir sind überreguliert, in vielen Dingen zu kompliziert und haben eine teure Verwaltung. Das ist in Summe sehr wirtschaftsfeindlich. Das gehört geändert. Der Bürokratieabbau ist für uns ein ganz wichtiges Thema. Da werden wir nicht locker lassen. Wir wehren uns auch intensiv gegen neue Belastungen und fordern, dass Gesetze auf ihre Tauglichkeit überprüft werden. Mir wird zu oft aus der Hüfte heraus geschossen. Gesetze gehören gut durchdacht. Was sollen sie bewirken, was kosten sie, steht das in Relation? Nehmen wir den Nichtraucherschutz. Da hat man einen Kompromiss gefunden und die Wirte haben sich darauf verlassen, dass die getroffene Regelung hält. Nach wenigen Jahren ist nun wieder alles anders. Wir brauchen in der Politik mehr Handschlagqualität. Was vereinbart wurde, muss halten und nicht beim leisesten Gegenwind umgekehrt werden.

2015 ist noch jung. Was erwarten Sie sich vom neuen Jahr?

Herk: Ich glaube, 2015 wird ein besonders herausforderndes Jahr. Wir haben eine Rekordarbeitslosigkeit, gleichzeitig aber auch die höchste Beschäftigung. Wir wissen, dass jeder dritte Unternehmer Mitarbeiter abbauen will. Jeder vierte will nicht
investieren. Das sind Alarmsignale, die man nicht so ohne weiteres übersehen darf. In Europa herrscht eine Stimmung des Abwartens, was kommt. In Amerika ist das anders. Da kaufen die Leute und glauben an die Zukunft.

Und in der Steiermark?

Herk: Unser Silberstreif am Horizont ist der Export. Wir sind im hochtechnischen Segment sehr erfolgreich. Daran wird sich auch 2015 nichts ändern, weil die Unternehmen natürlich auch heuer wieder innovativ sein werden. Unsere Forschungs- & Entwicklungsquote ist die beste in Österreich, wir haben innovative Unternehmen, ausgezeichnete Fachkräfte. Aber auch viele tolle KMU und EPU, die auch viel zum Wirtschaftsstandort Steiermark beitragen. Dieser Mix macht uns erfolgreich. Damit das so bleibt, gehören die Rahmenbedingungen adaptiert. Damit wären wir wieder beim Entlasten, Vereinfachen und Ankurbeln.

Was erwarten Sie sich persönlich vom Jahr 2015?

Herk: Ich wünsche mir natürlich ein gutes Wahlergebnis, mehr Zeit für Familie und Betrieb, guten Wind zum Surfen und mehr Zeit für die Band. Ich glaube, diese Wünsche können in Erfüllung gehen.

Vielen Dank für das Gespräch. ■

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