Image Image Image Image Image Image Image Image Image Image
Nach oben springen

Top

Kein Kommentar

Das ist die Wirtschaftskammer

Das ist die  Wirtschaftskammer

Wie sich die WKO für die Wirtschaft einsetzt

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Zum Beispiel, wenn es um die Wirtschaftskammer geht. Die WKO ist so selbstverständlich, dass man oft übersieht, was sie leistet. W! hat genau hingesehen.

165 Jahre wird die Wirtschaftskammer Steiermark heuer. Ihre Geburtsstunde fällt ins Jahr 1850, und das gleich doppelt. Denn in diesem Jahr bildet sich eine „Handels- und Gewerbekammer“ in Graz und eine in Leoben. Der Grazer Unternehmensvertretung steht ein ganz berühmter „Steirer“ als Präsident vor: Erzherzog Johann. Zwei Jahre lang, bis 1852, war er Präsident in Graz. Sein Leobener Pendant, Karl Peintinger, war das wesentlich länger. Von 1850 bis 1896 leitete er die Handels- und Gewerbekammer Leoben.
Die Wirtschaftskammern sind ein Produkt der Revolution und der Forderung nach mehr Liberalisierung. Am Ruf nach einer Liberalisierung hat sich offenbar bis heute nichts geändert. Im Dezember 1848 wurde das Handelskammergesetz beschlossen, das den Weg zur Gründung von Kammern in der Monarchie ebnete. Als erste kon-
stituierte sich 1849 die Handelskammer Wien, 1850 folgten in der Steiermark Graz und Leoben. Das Ende der Monarchie machte 1920 auch eine Änderung des Kammerwesens notwendig. Aus den beiden Handels- und Gewerbekammern wurde die „Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie“ in Graz. 1937 wurde daraus die „Kammer für Industrie, Gewerbe, Handel, Verkehr und Finanzen“, die 1938 in „Industrie- und Handelskammer“ umbenannt wurde. 1943 wurde daraus die „Gauwirtschaftskammer Steiermark“. Das Ende des 2. Weltkrieges machte wieder eine Neuordnung des Kammerwesens notwendig. Aus der 1945 entstandenen „Kammer für Handel, Gewerbe, Industrie, Geld- und Kreditwesen“ wurde 1946 durch das neue Kammergesetz die „Kammer der Gewerblichen Wirtschaft für Steiermark“, die in ihrer Kurzform „Handelskammer Steiermark“ genannt wurde. Seit 1993 nennt sich die Kammer „Wirtschaftskammer Steiermark (WKO)“.
So viel zur Historie. Auch wenn die Kammer seit 1850 ihren Namen oft änderte und ihr Aufgabengebiet adaptierte, eines ist doch immer gleich geblieben: das Engagement für die Wirtschaft. Die WKO Steiermark vertritt 66.000 Unternehmer. Zählt man die ruhenden Gewerbe dazu, sind es sogar 82.000.

AAAALLLTTT

„Wir haben gegenüber 2013 um 27
Prozent mehr EPU. Die WKO ist gerade für EPU, aber auch KMU ein ganz
wichtiger Ansprechpartner.“

Karl-Heinz Dernoscheg,
WK0-Steiermark-Direktor

© Foto Fischer

Wie und was die WKO macht, offenbart ein Blick auf ihr Organigramm. Die Kammer ist in vier Leistungsbereiche (LB) und fünf Stabstellen unterteilt.
Den ersten bilden „Fachorganisationen und Sparten“, dazu gehören aber auch „Frau in der Wirtschaft“ und die „Junge Wirtschaft“. Dass die steirische Wirtschaft sehr jung ist, zeigt übrigens ein Blick auf die Statistik: 27,5 Prozent aller WKO-Mitglieder sind unter 40 Jahre alt. Die Wirtschaft wird aber auch zunehmend weiblicher. Zwei Drittel aller Firmengründer sind Frauen.
Von außen wird die WKO am meisten über ihre Branchenvertretungen definiert. Ihre sieben Sparten sind: Gewerbe und Handwerk, Industrie, Handel, Bank und Versicherung, Transport und Verkehr, Tourismus und Freizeitwirtschaft sowie Information und Consulting.
In den Branchenvertretungen wird Information, vor allem aber Interessenvertretung großgeschrieben. 2014 etwa gab es 500 Branchen- und Themen-Veranstaltungen. Die größte Herausforderung für die Funktionäre sind jedes Jahr die Kollektivvertragsverhandlungen im Herbst.

Im Leistungsbereich (LB) 2 sind Serviceeinrichtungen und die Regionalstellen zusammengefasst. Zum Bereich „Service“ gehört zum Beispiel das Gründerservice, das für viele Jungunternehmer erste Anlaufstelle ist, wenn sie sich in das Abenteuer „Selbständigkeit“ wagen. In ihren Regionen folgt die WKO in etwa den steirischen Bezirken. Allerdings war man bei der Zusammenlegung von Bezirksstellen flotter als im Land. Die gab es schon 2005. Damals wurden aus 21 Bezirksstellen zwölf WKO-Regionalstellen.
Das Engagement in den Sparten, Fachgruppen und in den Serviceeinrichtungen hat der Wirtschaftskammer 2014 übrigens ein Rekordjahr beschert. Mit rund 85.000 Anfragen wurde ein neuer Rekord aufgestellt. Das sind zirka 2.000 Anfragen mehr als 2013. Auch die Zahl der Servicekunden ist von 27.500 auf 33.000 gestiegen. „Der Anstieg in beiden Bereichen ist vor allem auf das Wachstum bei den Ein-Personen-Unternehmen zurückzuführen“, erklärt Wirtschaftskammer-Direktor Karl-Heinz Dernoscheg. „Wir haben gegenüber 2013 um 27 Prozent mehr EPU. Deren Anfragen sind auch um rund 30 Prozent gestiegen. Die WKO ist gerade für EPU, aber auch KMU ein ganz wichtiger Ansprechpartner.“

Mitarbeiter-Organigramm – WKO Steiermark

W_2015_final_10

Interessant ist auch, in welchen Bereichen die Unternehmen die Hilfe der WKO in Anspruch nehmen. Knapp 19.500 Mal gab es Fragen zum Wirtschaftsrecht, gefolgt von „Steuern und Abgaben“ (18.000), dem „Arbeitsrecht“ (17.800) und branchenspezifischen Anfragen. „Wir merken die Überregulierung ganz deutlich an den Anfragen, die unsere Mitglieder haben“, erklärt Dernoscheg. „Rechtliche Fragen sind unangefochten an der Spitze, gefolgt von Gründungs- und Förderberatun-
gen.“ Ein Kernthema der WKO ist auch Bildung und Qualifizierung. Zum Leistungsbereich 3 gehören das WIFI, die Lehrlings- und Meisterprüfungsstelle, aber auch die Fachhochschule Campus 02. Knapp 40.000 Menschen haben 2014 die Bildungsangebote der Kammer genutzt. Darunter waren allein 17.000 Lehrlinge, die in 4.300 Betrieben ausgebildet werden. Stark im Kommen ist mittlerweile auch die „Lehre mit Matura“. 1.500 junge Menschen haben diesen Bildungsweg eingeschlagen. Dazu kommen noch 500 Meisterprüfungen, die 2014 am WIFI abgenommen wurden. Und schließlich studieren an der Fachhochschulde der WKO, dem Campus 02, 1.200 Studierende, davon übrigens 80 Prozent berufsbegleitend.
Eine Institution wie die WKO braucht aber natürlich auch einen Bereich, der sich um „ihre“ Finanzen und die Infrastruktur kümmert. Im Leistungsbereich 4 sind das Finanz- und Rechnungswesen, die technische Infrastruktur, die Verwaltung und die Liegenschaften sowie einige Spezialunternehmen gebündelt, wie zum Beispiel das Park-
raumservice.
An der Spitze des Organigramms der WKO Steiermark stehen Präsidium und Direktion. Der Direktion sind fünf Stabstellen zugeordnet: das Institut für Wirtschafts- und Standortentwicklung, Kommunikation und Marketing, Human Resources, Recht und Ordnung sowie Planung und Steuerung.
Den steiermarkweit rund 300 WKO-Mitarbeitern wird also die Arbeit nicht so schnell ausgehen. „Unsere Damen und Herren setzen sich tagtäglich für die heimische Wirtschaft und ihre Betriebe ein. Ich glaube, wir sind dabei sehr erfolgreich“, resümiert WKO-Direktor Karl-Heinz Dernoscheg. ■

© tricom

Artikel kommentieren