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Mittelstands-Bankomat am Limit

Mittelstands-Bankomat am Limit

Es reicht! Wirtschaftsbund fordert Mittelstandspaket für Entlastung, Wachstum und Beschäftigung.

Es gibt keine allgemein akzeptierte Definition des Mittelstandes. Wikipedia definiert ihn so: „Mittelstand ist die Bezeichnung für kleine und mittlere Unternehmen sowie Familienunternehmen, die durch die Einheit von Eigentum, Leitung, Haftung und Risiko gekennzeichnet sind.“

Mitte November rückte WKO-Präsident Josef Herk einmal mehr den Mittelstand in den Fokus und sprach dabei aus, was viele Mittelständler schon lange wissen: „Die Belastungen, denen die Unternehmen in unserem Land ausgesetzt sind, haben längst die Schmerzgrenze erreicht. Der Mittelstand ist am Limit. Der Mittelstand ist nicht der Bankomat der Nation. Das Kontolimit ist erschöpft.“
Wer sich mit dem Mittelstand beschäftigt, der kann den Zorn des Präsidenten mehr als nachvollziehen. Denn mit zwei Millionen Mitarbeitern ist der unternehmerische Mittelstand der größte Arbeitgeber in Österreich. „70 Prozent aller Beschäftigten in der Steiermark sind in kleinen und mittleren Betrieben tätig. Das sind rund 250.000 Menschen in der Steiermark“, präzisiert Herk. Zurzeit gibt es circa 63.500 Unternehmen in der Steiermark. 27.000 davon beschäftigen Mitarbeiter. „Pro Jahr gibt es ca. 5.000 Neugründungen von Unternehmen. Pro Unternehmen entstehen im Schnitt, inklusive Gründer, 2,4 Arbeitsplätze.“

Das ist aber noch lange nicht alles, was den Mittelstand ausmacht. „Der Mittelstand ist vor allem durch Familienunternehmen geprägt“, erklärt WKO-Präsident Josef Herk. „Sie haben in der Steiermark eine tragende Rolle. 58 Prozent aller Umsätze werden in Familienunternehmen erwirtschaftet. Zwei Drittel aller selbständig und unselbständig Beschäftigten arbeiten in Familienunternehmen.“ Ein Blick in die Statistik unterstreicht das: In der Steiermark gibt es 21.400 Familienunternehmen mit 216.600 Beschäftigten. „Familienunternehmen sind aber auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in den Regionen. Über 70 Prozent sind in kleinen Städten und Gemeinden tätig“, präzisiert Herk. Umso weniger Verständnis hat der WKO-Steiermark-Präsident, wenn dem Mittelstand immer neue Belastungen aufgebürdet werden. „Es reicht. Der Mittelstand ist nicht der Bankomat der Nation. Der Mittelstand gehört endlich entlastet!“ Vor allem die Steuer- und Abgabenflut macht es den Betrieben schwer. „Derzeit kommen in Österreich auf 100 Euro Bruttolohn 37 Euro Lohnnebenkosten. Der EU-Schnitt liegt nur bei 31 Euro. 45 Prozent Abgabenquote machen uns zudem zum Hochsteuerland“, stellt Josef Herk fest. Die bitteren Folgen dieser Entwicklung tragen übrigens Arbeitgeber und Arbeitnehmer. „Sieben von zehn steirischen Unternehmern würden mehr Personal einstellen, wenn die Lohnnebenkosten niedriger wären. 76 Prozent der Unternehmer würden auch mehr Geld in ihren Betrieb investieren, würden die Lohnnebenkosten gesenkt werden“, weiß Herk und verweist auf eine Studie des Marktforschungsinstituts OGM. „Dazu kommt, dass sich die Unternehmer einer immer größer werdenden Gesetzesflut und einem immer dichter werdenden Bürokratie-Dschungel gegenübersehen.“ Tatsächlich wächst der Aufwand für Kontrollen und Evaluierung immer weiter. Der Staat delegiert immer mehr Aufgaben an die Unternehmen. Zum Beispiel die Berechnung, Einhebung und Überweisung von Lohnsteuern und Sozialabgaben. „Allein das Beauftragten-Unwesen kostet den steirischen Unternehmern 150 Millionen Euro im Jahr“ rechnet Herk vor. „Ich bin dafür, dieses Geld lieber in Forschung und Entwicklung zu investieren.“
Was Herk besonders sauer aufstößt, sind die Schuldzuweisungen. „Gewerkschaften und Arbeiterkammer stellen Betriebe in der Öffentlichkeit ständig an den Pranger. Statt die Unternehmer zu unterstützen, schaden sie damit dem Unternehmertum. Unsere Unternehmer brauchen Rückenwind und Anerkennung“, mahnt Herk. „Ich lade den AK-Präsidenten ein, mit mir Betriebe zu besuchen. Da wird er bald feststellen, dass viele Unternehmen kämpfen und unter den Rahmenbedingungen leiden. Die Lage ist bei weitem nicht so rosarot, wie er sie sieht.“ ■

Josef Herk

„Der Mittelstand ist nicht der Bankomat der
Nation. Das Kontolimit ist erschöpft.“

Josef Herk,
WK0-Steiermark-Präsident

© Foto Stuhlhofer / Wolf

Beitragsbild © Fotolia

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