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Wenn der Tunnel mithört

Wenn der Tunnel mithört

Innovation made in Styria
Mit einer bemerkenswerten Innovation macht einmal mehr die Steiermark auf sich aufmerksam. Asfinag und Joanneum Research entwickelten ein System, mit dem Tunnel akustisch Gefahren erkennen.

Nicht nur die NSA hört mit, bald machen das auch 32 österreichische Tunnel. Allerdings nicht, um Geheimnisse zu erschnüffeln, sondern um Tunnel noch sicherer zu machen. AKUT heißt das neue akustische Tunnel-Warnsystem, das Asfinag und Joanneum Research gemeinsam entwickelt und unlängst vorgestellt haben.
AKUT steht dabei für „Akustisches Tunnelmonitoring“. Dabei handelt es sich einerseits um eine lernfähige Software, aber auch um eine spezielle Hardware rund um Spezial-Mikrofone. Dadurch bekommt der Tunnel Ohren und reagiert bei bestimmten akustischen Reizen.

„Das System sorgt so für noch mehr Sicherheit in Tunnels. Denn neben den maschinellen Augen – den Kameras – bekommt der Tunnel der Zukunft nun auch noch maschinelle Ohren“, erklären Heinz Mayer, Leiter des Joanneum-Research-Instituts DIGITAL, und Asfinag-Geschäftsführer Rainer Kienreich bei der Präsentation.
Das System zeichnet alle Geräusche, die durch den Verkehr verursacht werden, in einer Datenbank auf. Eine lernende Analyse-Software unterscheidet „normale“ Geräusche von untypischen, wie zum Beispiel einer Vollbremsung, einem Reifenplatzer oder einem Unfall, und schlägt Alarm, bei dem sofort die richtige Videokamera aktiviert wird.
„Mit unserem System können wir unter schwierigen Umweltbedingungen kritische Ereignisse im Tunnel bei einer Reaktionszeit von unter einer Sekunde erkennen. Die Akustik erkennt Ereignisse viel schneller als eine Videoanlage“, erläutert Wolfgang Pribyl, Geschäftsführer von Joanneum Research.
Den ersten Test im 2,7 Kilometer langen Kirchdorftunnel auf der S 35 hat das System bravourös gemeistert. Dazu wurden 49 Mikrofone im Abstand von maximal 125 Metern montiert. Jetzt geht es an die Serienproduktion. Demnächst sollen 32 Tunnel österreichweit mit AKUT ausgestattet werden.
„Der steinige Weg von der ersten Idee eines akustischen Tunnelmonitorings über den Staatspreis für Verkehrstelematik 2006 bis hin zur ersten operativen Installation ist vollendet“, freut sich AKUT-Projektleiter Franz Graf von Joanneum Research. „Innovationen waren nicht nur im Sensor-Bereich, sondern vor allem in den Algorithmen notwendig. Damit ist das System in der Lage, gutartige akustische Signale wie Rollgeräusche von kritischen Ereignissen, wie einem Aufprall, in der notwendigen Robustheit zu unterscheiden. Mit der Rahmenbeauftragung der AKUT-Installationen erhalten wir jetzt die Möglichkeit, unsere Vorreiterrolle auf dem Gebiet des akustischen Tunnelmonitorings noch weiter auszubauen.“
Die Asfinag wird jetzt Schritt für Schritt weitere Tunnel mit dieser Innovation ausrüsten. Basis dafür ist ein Rahmenvertrag mit Joanneum Research, durch den die Ausrüstung von vorerst 32 Tunnelanlagen festgelegt wurde. Die Investitionssumme der Asfinag dafür beträgt knapp 16 Millionen Euro.
Im Zuge von Neubauten oder Generalsanierungen wird „AKUT“ bereits im Tunnel Bosruck, bei der Nordumfahrung Klagenfurt (Ehrentalerberg, Falkenberg, Lendorf, Trettnig) sowie in den neuen Tunnelanlagen auf der S 10 Mühlviertler Schnellstraße eingebaut. Bis 2019 folgen weitere 23 Tunnel, darunter die großen Arlberg-, Gleinalm- und Karawankentunnel. Der Rahmenvertrag mit Joanneum Research sieht auch eine optionale Ausweitung ab 2020 vor. Weitere 25 Tunnelanlagen könnten dann ebenfalls mit „AKUT“ ausgestattet werden.

Die Asfinag betreibt auf dem österreichischen Autobahnnetz 149 Tunnel, teilweise mit Längen über zehn Kilometer. Seit Beginn der Tunnelsicherheitsoffensive 2001 wurden mehr als vier Milliarden Euro in die Erhöhung der Tunnelsicherheit investiert, bis 2019 werden es weitere 1,5 Milliarden Euro sein, vor allem durch den Bau zweiter Tunnelröhren (Bosruck, Gleinalm, Tunnelkette Klaus).

Foto © Joanneum Research

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