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„Ich halte unsere Dezentralität und Dreistufigkeit für sehr gut“

„Ich halte unsere Dezentralität und Dreistufigkeit für sehr gut“

RLB-Generaldirektor Martin Schaller im W!-Interview

Seit 1. Oktober hat die größte steirische Bank, die Raiffeisen-Landesbank Steiermark (RLB), einen neuen Chef. Auf Markus Mair (48), der Styria-Vorstandsvorsitzender wurde, folgt Martin Schaller (48). „W!“ hat den neuen Raiffeisen-General über die Zukunft der Raiffeisen- Bankengruppe und vieles mehr befragt.

Herr Generaldirektor, Sie sind seit etwa 50 Tagen im Amt, haben also die Hälfte der traditionellen Schonfrist schon hinter sich. Wie geht es Ihnen in Ihrer neuen Funktion?
Martin Schaller: Die Zeiten, in denen eine Schonfrist gewährt wurde, sind vorbei. Ich habe meine neue Funktion mit 150% Motivation begonnen und mich von Anfang an den Herausforderungen gestellt. Daran hat sich natürlich nichts geändert. Aber danke, es geht mir gut.

RLB-Generaldirektor Martin Schaller, Foto: FischerSie sagen selbst, Sie stehen vor großen Herausforderungen. Welche sind denn die größten?
Martin Schaller: Zum einen ist das sicher die Reglementierungswut, denen Banken ausgesetzt sind. Vor allem Basel III trifft dezentrale Bankensektoren wie Raiffeisen überdimensional hart. Aber nicht nur Basel III sorgt für immer neue Vorschriften, auch sonst werden immer wieder neue Regeln „erfunden“, die es Banken nicht leicht machen, ihr Geschäft auszuüben. Was oft übersehen wird: Durch neue Regeln fallen auch immer mehr Kosten an, die wir zu bewältigen haben, vor allem in der IT. Eine weitere große Herausforderung wird sein, wie wir mit demographischen Gegebenheiten umgehen werden. Immer mehr Leute zieht es in die Ballungszentren. Auf der anderen Seite gibt es Regionen, die mit enormen Abwanderungen zu kämpfen haben. Darauf werden auch wir reagieren müssen. Genauso darauf, dass unsere Kunden immer mobiler werden und immer mehr im Internet erledigen.

Raiffeisen rühmt sich immer damit, besonders nah am Kunden zu sein. Bleibt es bei den derzeit 79 selbständigen Raiffeisenbanken und den rund 335 Bankstellen?
Martin Schaller: Ich bin sehr dafür, dass wir unser Alleinstellungsmerkmal, die enge Verbundenheit mit Land und Leuten, beibehalten. Natürlich wird es auch in Zukunft, wie schon in der Vergangenheit, zu Fusionen von Raiffeisenbanken und Adaptierungen bei den Bankstellen kommen. Neben Fusionen gibt es aber auch andere Wege. Zum Beispiel kann die Zusammenarbeit von Raiffeisenbanken untereinander noch ausgebaut und gestärkt und können dabei Synergien gehoben werden. Man muss das Rad nicht jedes Mal neu erfinden. Was für die Raiffeisenbanken gilt, gilt übrigens auch für die Landesbanken. Auch da gibt es einige Möglichkeiten, die Zusammenarbeit zu verstärken und gemeinsame Strukturen auf- und auszubauen. Ziel all unserer Anstrengungen ist es, unsere große Nähe zum Kunden zu erhalten und dort zu sein, wo unsere Kunden sind.

RLB-Generaldirektor Martin Schaller, Foto: Fischer

Wird Raiffeisen einmal ein zentral geführter Bankensektor sein?
Martin Schaller: Nein, wir werden nie eine zentrale Bank sein. Ich halte unsere Dezentralität und Dreistufigkeit für sehr gut. Aber natürlich überlegen wir auch Konzepte zur Weiterentwicklung auf Basis der bestehenden Organisationsform.

Unternehmer beklagen immer lauter, dass es für sie schwieriger wird, an Kredite zu kommen. Die Rede ist sogar von einer Kreditklemme. Sehen Sie das auch so?
Martin Schaller: Also zunächst einmal muss ich festhalten, dass Unternehmer für Raiffeisen Steiermark und die RLB sehr wichtig sind und wir uns sehr intensiv und gerne um sie bemühen. Ich sehe keine Kreditklemme. Gut aufgestellte Unternehmen werden immer an Kredite herankommen. Diejenigen, die nicht ganz so gut aufgestellt sind, werden durch Basel III mehr Sicherheiten benötigen. Kredite zu vergeben, gehört zu den Kernkompetenzen einer Bank, daran wird sich nichts ändern.

Die Raiffeisenlandesbanken in Niederösterreich/Wien und Oberösterreich haben ein breites Beteiligungsspektrum. Wird das in der Steiermark ausgebaut?
Martin Schaller: Wir haben nicht so viele Beteiligungen wie die Kollegen in Ober- und Niederösterreich. Deren Engagement in dieser Richtung ist im Laufe der Jahrzehnte entstanden. Wir haben wenige, dafür aber sehr feine Beteiligungen. Wir werden uns auch weiterhin auf unsere Kernkompetenzen, das ist das Kundengeschäft und unsere Rolle als Verbundbank, konzentrieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Martin Schaller ganz persönlich

Meine Lieblingsfarbe ist: Blau
Mein Lieblingsbaum ist: Der Kirschbaum
Dort fühle ich mich wohl: Wo meine Familie ist
Am liebsten esse ich: Cordon bleu
Mein liebstes Getränk ist: Ein guter steirischer Weißwein
Ich höre gerne: Mozart und Beatles
Ich lese am liebsten: Umberto Eco
Als Kind träumte ich zu sein wie: Ein Diplomat
Mein Motto lautet: Es gibt viel zu tun, packen wir es an.

Fotos: Fischer

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