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Wirtschaft im Doppelpass

Wirtschaft im Doppelpass

Reformieren und erneuern statt Mittelstand besteuern

Buchmann & Herk: Starke Stimmen für steirische Unternehmen.

Zwei sind immer erfolgreicher als einer. Die Steiermark macht es mit der Reformpartnerschaft vor. Die Steiermark hat aber nicht nur dieses erfolgreiche Duo, sie verfügt auch über ein höchst erfolgreiches Wirtschaftstandem: Landesrat Christian Buchmann und Wirtschaftskammer-Präsident Josef Herk. W! hat sie zum Doppelinterview gebeten.

Vor uns liegt das neue W! Was dürfen wir uns vom neuen WB-Magazin erwarten?
Buchmann: Der Wirtschaftsbund ist der verlässliche Partner mit einer starken Stimme für die steirischen Unternehmerinnen und Unternehmer. Mit dem W! geben wir unserer Stimme noch mehr Kraft: Wir verdeutlichen unsere Positionen zu wirtschafts- und innenpolitischen Themen und untermauern diese mit Argumenten und Expertenmeinungen. Das W! ist eine gute Ergänzung für unsere Kommunikationspolitik.
Herk: Mir gefällt das W! Es ist chic und modern. Vor allem aber gefällt es mir, weil es die steirische Wirtschaft ins rechte Licht setzt und aufzeigt, was unsere Unternehmen tagtäglich leisten. Und das ist sehr viel.

Damit sind wir schon beim Stichwort: Die steirische Wirtschaft ist der Motor der Steiermark. Sind Sie zufrieden damit, wie der Motor läuft?
Buchmann: Der Ausblick für die Steiermark ist angesichts der Auszeichnung als „Europäische Unternehmerregion 2013“, gut und zukunftsreich. Auch die Tatsache, dass jeder zweite Euro im Ausland erwirtschaftet wird, ist eine Bestätigung für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Steiermark. Mit der Wirtschaftsstrategie 2020 – Wachstum durch Innovation – werden wir in den kommenden Jahren den Wirtschaftsstandort Steiermark weiterentwickeln. Unser Ziel ist, die steirischen Betriebe bei Investitionsvorhaben zu unterstützen, die damit für Wertschöpfung, Beschäftigung und Fortschritt in der Steiermark sorgen. Wenn uns das gelingt, bin ich sehr zufrieden.

„Die Tatsache, dass jeder zweite Euro im Ausland erwirtschaftet wird, ist eine Bestätigung für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Steiermark.“

Christian Buchmann, Europalandesrat, Foto: © Robert Frankl

Christian Buchmann, WB-Obmann und Landesrat

Herk: Das kann ich alles unterstreichen. Was mich vor allem beeindruckt, ist die Vielfältigkeit der steirischen Wirtschaft. Es ist ebenfalls noch nicht lange her, dass wir dafür kritisiert wurden, zu einseitig aufgestellt zu sein und vor den Gefahren dieser einseitigen Ausrichtung gewarnt wurde. Das ist heute nicht mehr der Fall. Die steirische Wirtschaft ist sehr breit aufgestellt, in vielen Branchen sehr erfolgreich und besteht aus einem Mix ganz unterschiedlicher Unternehmen. Wir haben EPU, KMU und große Industriebetriebe. Man glaubt gar nicht, wo man überall auf steirische Betriebe oder Produkte trifft. Das macht mich immer sehr stolz auf die steirische Wirtschaft.

Jetzt ist natürlich nicht immer alles eitel Wonne, Sonnenschein. Wo sehen Sie die großen Herausforderungen für die steirische Wirtschaft?
Herk: Ein großes Problem sehe ich in der Überreguliertheit. Um heute als Unternehmer erfolgreich zu sein, müsste man in bestimmten Branchen Mediziner, Physiker, Chemiker, Jurist und Betriebswirt gleichzeitig sein. Die vielen Vorschriften sind ein Wahnsinn. Dazu kommt, dass es zu jeder Vorschrift eine Kontrolle gibt. Da geht enorm viel Zeit drauf, die auf Kosten anderer Aktivitäten der Unternehmer geht. Momentan macht vielen Unternehmen die Finanzpolizei das Leben schwer. Wir sind nicht gegen Kontrollen und natürlich gehören schwarze Schafe ausgesiebt, aber man kann nicht Unternehmern generell unterstellen, dass sie Verbrecher sind. Es gibt bei uns immer noch eine Unschuldsvermutung und keine Schuldvermutung. Wenn zur Mittagszeit in Gasthäusern die Finanzpolizei auftaucht, um lange Kontrollen zu machen, hört sich der Spaß auf. Das ist geschäftsschädigend. Kontrolle ja, aber mit Maß und Ziel.
Buchmann: 2013 ist ein Jahr der Entscheidungen und Weichenstellung für Österreich. Einerseits, weil wir uns inmitten eines Superwahljahres befinden. Andererseits, weil wir in Hinblick auf die Wirtschaftskammerwahlen 2015 in diesem Jahr auch Bilanz ziehen und wichtige Impulse für den Wirtschaftsstandort setzen. Verzögerungen oder gar die Verhinderung wichtiger Projekte – nicht selten herbeigeführt durch die Umweltanwaltschaft – führen immer wieder dazu, dass wichtige Investoren abspringen und damit Arbeitsplätze und der Wohlstand in unserem Land gefährdet sind. Verwaltungsvereinfachungen und ein Stopp für bürokratische Hürden – wie sich die Umweltanwaltschaft als zusätzliche Kontrollinstanz darstellt – sind dringend notwendig. Der Wirtschaftsbund fordert deshalb unbequem und deutlich: schlanke Strukturen, schnelle Verfahren und Planungssicherheit für Investitionen statt organisierter Verhinderungspolitik.

Das Thema Bildung und Forschung wird immer wieder genannt und gilt mittlerweile fast schon als politischer Wiedergänger. Wie sehen Sie das?
Herk: Die Wirtschaft ist in Sachen schlechter Ausbildung ein wichtiger Indikator. Wir spüren als Erste, wenn es nicht passt. Und es passt in vielen Bereichen nicht mehr. Unsere Unternehmer klagen immer wieder über mangelnde Grundrechnungskenntnisse, Rechtschreibschwächen etc. Aber wir jammern nicht nur, wir lassen uns auch etwas einfallen. Lehre mit Matura oder, wie erst jüngst vorgestellt, Lehre nach der Matura sind Auswege aus der Misere. Aber Auswege sind eben keine Hauptverkehrsrouten. Das Bildungswesen gehört dringend reformiert. Leistung muss wieder einen höheren Stellenwert bekommen. Wir haben uns in letzter Zeit immer nach dem Mittelmaß orientiert, das muss aufhören. Wir müssen uns mehr nach oben orientieren und Maß an den Besten nehmen, sonst werden wir bald nur mehr Mittelmaß sein.

„Das Bildungswesen gehört dringend reformiert. Leistung muss wieder einen höheren Stellenwert bekommen.“

Josef Herk, WK-Präsident, Foto: © Stuhlhofer/Wolf

Josef Herk, WK-Präsident

Buchmann: Um Wachstum und Innovationen in der Steiermark voranzutreiben, müssen wir gezielt auf wissensbasierte Produktion setzen und die intensive Zusammenarbeit von Industrie, Forschungseinrichtungen und Dienstleistungsbetrieben fördern. Besonders die steirische Energie- und Umwelttechnikbranche mit dem ECO-Cluster trägt wesentlich dazu bei, dass wir zur Europäischen Unternehmerregion 2013 gewählt wurden und mit einer F&E-Quote von 4,3% eine der innovativsten Regionen Europas sind. Darauf können wir stolz sein und darauf müssen wir auch in Zukunft weiter aufbauen.

Titelfoto: © Fischer

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